• Sabine Patricia veröffentlichte etwas Neues

      vor 5 Monaten (bearbeitet)

      Guten Morgen,

      ich möchte noch ein paar Gedanken mit euch teilen zum gestrigen Live-Event mit Julia. (Austausch und Vernetzung), Thema Abgrenzung. Ich fand diesen Austausch und Input unglaublich gut und konnte mir da einiges für mich mitnehmen und herausziehen. Z.B. dass es immer ein “Einfallstor” gibt, wenn wir zulassen, dass andere unsere Grenzen überschreiten. Ich würde mich gerne noch intensiver über das Thema austauschen, vielleicht hat ja noch jemand Interesse oder kann mir sogar weiterführende Tipps geben (im Rahmen des Events ist es natürlich nicht möglich, (noch) detaillierter auf einzelne Anliegen bzw geschilderte Situationen und Probleme einzugehen).

      Bei mir war und ist es die Situation mit meiner Tochter, sie ist depressiv, u.a. aufgrund einer in meinen Augen hochgradig ungesunden, toxischen Beziehung, in der sie der abhängige, “klammernde” Part ist, er der vermeidende, der – wie Steffi es immer sagt, “die Hoheit über Nähe und Distanz” innehat. Sie – meine Tochter – weigert sich aber, sich zu trennen. Leider (in meinen Augen), hat sie eine Therapeutin, die sie darin bestärkt, es sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht gut, “sich aus Angst” zu trennen (dieses Argument leuchtet mir so gar nicht ein, normalerweise hat man doch Angst VOR einer Trennung. Auch meine Tochter konnte es nicht so ganz genau erklären, Angst wovor, wenn sie IN der Beziehung bleibt. Auf jeden Fall ist sie der Meinung, sie müsse ausharren, aber sie möchte sich auch gar nicht wirklich trennen).

      Was aber kann und muss ich nun als Mutter tun, inwieweit muss ich sie immer wieder auffangen? Sie hat regelmäßig, wie soll ich es nennen, (Nerven)-Zusammenbrüche, sie verliert zunehmend Kraft und Energie, zu Hause liegt sie nur noch im Bett (außer sie bereitet sich auf ein Treffen mit “ihm” vor), es geht ihr zunehmend schlechter, Hilfe – in Form einer stationären Therapie oder von Medikamenten lehnt sie ebenfalls weitestgehend ab, ihr eigenes Leben, Pläne, Vorhaben etc.. sind längst Geschichte, sie macht GAR nichts. Dazu fehlt ihr auch inzwischen komplett die Energie.

      Man kann ihrem Verfall, dieser Abwärtsspirale buchstäblich zusehen. Inwieweit muss ich nun immer für sie da sein? Ich merke, dass auch ich immer mehr an meine eigenen Grenzen stoße bzw. diese immer wieder permanent überschreite. Außerdem frage ich mich, ob ich mit meiner Hilfe nicht dieses ganze System “stütze” wie eine Co-Abhängige. Andrerseits mache ich mir natürlich große Sorgen und leide selbst nicht ganz unerheblich (mit).

      Vielleicht hat ja jemand einen Tipp für mich oder befindet sich in einer ähnlichen Situation? Liebe Grüße und euch und uns allen (trotz allem) ein Frohes Weihnachtsfest <3

      • Liebe Sabine,

        danke, dass du so ehrlich und offen teilst, was in dir vorgeht. Erstmal freut es mich, dass dir die Sitzung mit Julia gut gefallen hat.

        Ich spüre in deinem Beitrag sehr deutlich, wie viel Reflexion, Sorge und auch innere Zerrissenheit darin steckt.

        Die Fragen, die du stellst, also wie viel Verantwortung man tragen kann und sollte, wo Unterstützung aufhört und Selbstschutz beginnt, und wie schwer es ist, dabei nicht in eine Art Mit-Leiden oder Mit-Tragen hineinzurutschen, bewegen viele Menschen, gerade in Beziehungen zu nahestehenden Angehörigen. Du sprichst damit etwas an, das sicherlich bei einigen hier Resonanz auslöst.

        Gleichzeitig ist es wichtig zu sagen: Jede Situation ist individuell, und es gibt keine einfachen oder allgemeingültigen Antworten. Umso wertvoller ist es, dass du den Raum hier nutzt, um deine Gedanken zu teilen und nach Erfahrungen, Perspektiven oder Impulsen zu fragen.

        Wenn sich jemand in einer ähnlichen Situation wiederfindet oder eigene Erfahrungen zum Thema Abgrenzung, Mitverantwortung oder Selbstfürsorge im Umgang mit nahestehenden Menschen gemacht hat, ist er oder sie herzlich eingeladen, diese zu teilen.

        Danke dir für dein Vertrauen und deine Offenheit.

        Ich wünsche dir viel Kraft und trotz allem einen möglichst ruhigen, warmen Jahresausklang.

        Liebe Grüße

        Annalena aus dem Team der Stefanie Stahl Akademie ☀

      • Liebe Sabine,

        ich war leider nicht bei dem Live Event mit Julia dabei. Ich selber bin nicht direkt in dieser Situation, denke aber, dass es sehr wichtig ist, dass du auch gut auf dich aufpasst und dir Unterstützung holst, was du ja schon machst, denn du bist hier. Ich habe selber 2 Kinder, 19 und 23 Jahre. So kann ich mir annähernd vorstellen, was für Sorgen du dir machst und die Situation, die du beschreibst, löst einen großen Leidensdruck für dich aus, der wahrscheinlich kaum auszuhalten ist. Da deine Tochter bisher keine Hilfe von außen annehmen möchte, abgesehen von der Therapie, die sie macht, musst du erstmal für dich schauen. Was genau die Therapeutin mit deiner Tochter bespricht, weiß man am Ende nicht wirklich, trotz Erzählungen deiner Tochter. Wir verstehen manchmal auch das, was wir gerne möchten und wenn deine Tochter die Beziehung nicht beenden möchte, das ist es wahrscheinlich egal, was andere meinen oder raten.

        Ich kann dir eigentlich nur raten, weiterhin für deine Tochter da zu sein, aber dich nicht zu stark ins Mit-Leiden zu begeben und emotional versuchen, ein bisschen Abstand zu gewinnen, wenn möglich. Versuche, Dinge zu tun, die dich auch ablenken, die dir gut tun. Und Austausch, konkrete Hilfsangebote usw. nutzen. Das Alter deiner Tochter, wo sie wohnt und das soziale Umfeld deiner Tochter spielen auch eine Rolle, welche Möglichkeiten du an Einflussnahme hast und welche Hilfsangebote passend wären.

        Ich wünsche deiner Tochter und dir alles Liebe und Gute und hoffe, ihr habt trotz allem eine gute Weihnachtszeit!
        Liebe Grüße
        Ines

        1
        • @Liebe Ines,

          vielen Dank für deine Antwort!

          Meine Tochter ist 21 Jahre alt, (das hatte ich vergessen, dazu zu schreiben), also im Alter deiner Kinder. Insofern – und das schreibst du ja auch – kannst du gut nachfühlen, wie es mir geht.

          Man ist ja auch noch etwas hin- und hergerissen so wie das „Kind“ auch, es ist einerseits ja sein eigenes Leben, inwieweit darf, kann, soll und muss ich mich noch einmischen und inwieweit verzögert es den Abnabelungsprozess – der uns sowieso beiden schwerfällt. Sie wohnt noch (u.a. deswegen) noch bei mir und insofern bekomme ich natürlich auch alles hautnah mit.

          Aber, und da hast du vollkommen recht, der von dir vorgeschlagene Weg ist wohl der beste. Dasein, wenn sie mich braucht, aber auch auf eigene Grenzen achten und ihre nicht überschreiten.

          Auch, was du bezüglich ihrer Therapeutin schreibst, ist wohl wahr. Wenn man nicht selbst dabei ist, ist es schwierig, die Dinge wirklich abschließend zu beurteilen. Auch hier muss ich wohl – noch – ein Stück weiter loslassen und vertrauen (auch wenn es schwer fällt).

          Nochmal ganz lieben Dank für deine Rückmeldung und deine lieben Worte 🫶 Dir und deiner Familie auch alles Liebe und Gute, habt schöne und besinnliche Feiertage und kommt gut in ´s neue Jahr!

    Hilfe & Kontakt

    Du hast eine Frage? Wir sind für dich da!

    Unser Team kümmert sich um dein Anliegen – du erhältst spätestens in 48 Stunden eine Antwort von uns.

    Brauchst du gerade zusätzliche Unterstützung?
    Wir haben einige Informationen und Hilfsangebote für dich zusammengestellt, die über das Angebot hier in der Akademie hinausgehen. Hier klicken und mehr Unterstützung finden.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen