Francesca veröffentlichte etwas Neues
Ich bin im Kurs Beziehungen auf Augenhöhe und habe (Modul 4) eine Frage:
Ich bin neu (2 Monate) in einer erst jungen Beziehung und habe jemand mit viel Wärme und “Unkompliziertheit” gefunden. Ich möchte den anderen nicht durch zu viele Probleme vertreiben. Aber es gibt bereits jetzt (wie auch in früheren Beziehungen) das Ungleichgewicht, dass ich viel mehr Nähe suche als er. Ein typischer Trigger, der mich ganz verzweifelt macht wie ein Kind ist zB, wenn er sich einen ganzen Tag lang nicht meldet. Ich weiss, dass es meinem Selbstwertgefühl schadet, wenn ich dann Telefonate oder Nachrichten “erbitte”. Ich würde so gerne das Warten aushalten, um mich nicht so klein zu machen, aber ich finde es unerträglich trotz Ablenkung.
Dann wieder denke ich, dass ich ja besprechen könnte, wieviel Nähe er sich wünscht, aber ich finde den Übergang zum Klammern kaum zu entwirren..
Danke für eine Antwort einer Therapeutin oder aus der Community,
LG Francesca
2 KommentareLiebe Francesca,
was du beschreibst, erleben viele in einer jungen Beziehung: Der Wunsch nach Nähe prallt auf das Bedürfnis nach Freiraum – und schnell wird die eigene Sehnsucht nach Kontakt zu einem großen inneren Druck. Dass dich ein Tag ohne Nachricht so stark trifft, zeigt, wie sehr alte Muster hier angestoßen werden. Ich habe dir zu dem Thema glaube ich auch schon vor einer Woche geantwortet, hast du meine Nachricht dazu gesehen?
Wichtig ist: Deine Bedürfnisse nach Nähe und Sicherheit sind absolut legitim. Es macht einen Unterschied, ob du sie forderst oder ob du sie ruhig und ohne Vorwurf mitteilst, z. B. „Ich merke, dass ich mich unruhig fühle, wenn ich länger nichts von dir höre. Mir würde es guttun, wenn du dich ab und zu kurz meldest.“ So bleibt Raum für seine Freiheit, während du dich gleichzeitig zeigst. Ein offenes Gespräch über die jeweiligen Gefühle in diesen Situationen kann auch dir selbst helfen, damit zukünftig besser umzugehen und kann die Beziehung zusätzlich stärken.
Und: Es ist sehr wichtig, dass du auch daran arbeitest, dir dieses Gefühl von Sicherheit selbst mehr geben zu können. Das bemerkst du selbst ja schon ganz richtig. Kein Partner kann dauerhaft die Lücke füllen, die vermutlich auch viel mit deinem Selbstwert zu tun hat. Je mehr du lernst, dir selbst Halt zu geben, desto weniger erdrückend wird das Warten. Ein paar Wege dahin könnten sein:
Bewusstes Aushalten üben: Wenn er sich nicht meldet, setze dir kleine Zeitziele. Zum Beispiel: „Ich schaue jetzt 2 Stunden nicht aufs Handy und tue in dieser Zeit etwas für mich.“ So trainierst du Schritt für Schritt, dass du dich nicht ausgeliefert fühlst.
Eigene Routinen schaffen: Plane dir bewusst Aktivitäten ein, die nur für dich sind – Sport, ein Hobby, Treffen mit Freunden. Das gibt dir das Gefühl, dass dein Leben auch ohne seine Nachricht erfüllt bleibt.
Innere Selbstgespräche: Wenn das Warten schwerfällt, erinnere dich: „Ich bin auch ohne ihn wertvoll. Sein Schweigen sagt nichts über meinen Wert aus.“ Solche Sätze können helfen, das Gefühl von Abhängigkeit zu durchbrechen (Affirmationen).
Gefühle klar trennen: Nähe zu wollen ist gesund. Abhängig zu sein, ob er sich meldet oder nicht, ist das, was dich schwächt. Das zu unterscheiden und dir zu sagen: „Das Bedürfnis nach Nähe darf da sein – aber mein Wert hängt nicht von seiner Reaktion ab“, kann entlastend wirken.
Unabhängigkeit entsteht nicht dadurch, dass dir das Bedürfnis nach Nähe verschwindet, sondern dass du lernst, auch ohne sofortige Antwort bei dir bleiben zu können. So entsteht nach und nach das Gefühl: Ich kann ihn wollen, aber ich brauche ihn nicht, um mich stabil zu fühlen.
Es geht also um beides: deine Bedürfnisse ehrlich mitteilen und gleichzeitig üben, den Kontakt zu dir selbst zu halten, wenn er nicht sofort verfügbar ist. Beides sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer Beziehung auf Augenhöhe.
Liebe Grüße
Lea aus dem Team der Stefanie Stahl Akademie ☀Liebe Lea, ich danke Dir für Deine ausführliche Antwort und die wirklich hilfreichen und praktischen Tipps, das tut schon gut zu lesen… Und ja, ich hatte vor kurzem schon einmal dazu etwas ähnliches geschrieben und es bleibt mein grosses Thema, umso mehr Danke und liebe Grüsse Francesca