
Christine
Christine veröffentlichte etwas Neues vor 2 Monaten
Hallo zusammen,
Ich habe mich hier angemeldet, weil das Thema emotionale Abhängigkeit/mein ängstlicher Bindungsstil und der vermeidende Stil meines aktuellen Freundes (seit 1,5 Jahren) unter vielen anderen Ursachen vermutlich dazu geführt haben, dass mein Partner an Karneval eine andere Frau geküsst hat, und es wäre tatsächlich noch mehr geplant gewesen, dazu kam es aber nicht.
Auf dem Tisch liegen also Vertrauensbruch, emotionale Abhängigkeit,das Vergessen meiner Bedürfnisse, und dasHalten seiner Emotionen und der gesamten Beziehung auf meinen Schultern, Nähe/Distanz/Vermeidung seinerseits, Hoffnung und Wut und Trauer meinerseits… dieses Karussell fahre ich nun seit 6 Jahren und dies ist der 4. Beziehungsversuch (mit jeweils anderen Partnern) seit Trennung vom Vater meiner 8-Jährigen Tochter.
Ich möchte meine Bedürfnisse wieder erkennen, meinen Selbstwert aufbauen und erkennen, ob diese Beziehung noch tragfähig ist oder nicht.
Und wieder meinen inneren Frieden finden, das nämlich hatte ich mir geschworen, bevor ich meinen aktuellen Freund kennengelernt habe.
Kurze Gespräche über den Seitensprung fanden statt, aber in Summe hat er soviele Themen auf dem Tisch, die er selbst erst einmal aufräumen muss (Hausverkauf, Scheidung, Schuldenberge, diagnostizierte Depression, Muster erkannt, hat sich zum ersten Mal im Leben jemandem anvertraut (mir!), möchte so nicht weiterleben sondern was verändern, Klinik geplant, usw). Und immer wieder triggert sein Rückzug meine Abhängigkeit- es nervt mich einfach gewaltig.
Ich möchte mich nicht mehr von seiner Stimmung, seinem Verhalten, seiner Reaktion oder Nicht-Reaktion abhängig fühlen, und wieder meinen reifen, erwachsenen inneren Frieden finden.
Wir leben in einer Fernbeziehung, er hat 2 Kinder, wie sehen uns nur am Wochenende und ich bin in eine neue Stadt gezogen.
Danke fürs Lesen bis hier und ich freue mich auf die Community hier und den Kurs. Alles Gute für euch alle!
Christine
Biggi, Mienchen und 2 others1 KommentarLiebe Christine,
was du beschreibst, wirkt weniger wie ein einmaliger „Ausrutscher“ an Karneval, sondern wie ein sich wiederholendes Beziehungsmuster, in dem sich dein ängstlicher Bindungsstil und sein vermeidender Stil gegenseitig verstärken. Das erzeugt genau dieses Karussell aus Hoffnung, Anspannung, Rückzug und erneuter Sehnsucht – und auf Dauer erschöpft es. Der Kuss ist dabei eher ein Symptom als die eigentliche Ursache.
Auffällig ist, wie viel Verantwortung du für seine Themen und für das Tragen der Beziehung übernimmst. Gleichzeitig gehen deine eigenen Bedürfnisse dabei immer wieder verloren, obwohl du sie klar benennen kannst. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt: „Was brauche ich, um mich sicher, respektiert und ruhig zu fühlen, unabhängig von ihm?“.
Seine Situation klingt tatsächlich sehr belastet, und es ist gut, dass er sich Hilfe holen will. Aber seine Prozesse sind nicht deine Aufgabe. Emotional unabhängig zu werden bedeutet nicht, keine Gefühle mehr zu haben, sondern die eigene Stabilität nicht mehr davon abhängig zu machen, ob der andere sich nähert oder zurückzieht.
Vielleicht hilft dir als Orientierung: Eine tragfähige Beziehung zeichnet sich nicht nur durch Gefühle aus, sondern durch Verlässlichkeit, emotionale Zugänglichkeit und gegenseitige Verantwortungsübernahme. Wenn diese Basis dauerhaft fehlt, gerät man fast zwangsläufig in Abhängigkeit.
Für dich könnte jetzt zentral sein, wieder mehr bei dir anzukommen: wahrnehmen, was du fühlst, klare Grenzen setzen, kleine Schritte in Richtung Selbstwert (z. B. eigene Routinen, soziale Kontakte, ggf. therapeutische Begleitung). Und dann mit etwas Abstand ehrlich prüfen, ob diese Beziehung dir auf Dauer das geben kann, was du suchst.
Dein Wunsch nach innerem Frieden ist dabei ein sehr guter Kompass.
Liebe Grüße
Annalena aus dem Team der Stefanie Stahl Akademie ☀
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