
AsterixundObelix
AsterixundObelix veröffentlichte etwas Neues vor 4 Monaten
Frage zu Reisebedürfnissen bei Bindungsangst
Hallo, ich habe einmal eine Frage an Euch. Ich bin in unserer Beziehung die Person mit der Verlassenheitswunde und mein Partner hat ein deutlich wahrnehmbares Autonomiebedürfnis. Er verreist sehr gerne. Und da wir uns bezüglich der Reiseziele nicht einig werden, und es in den den letzten 15 Jahren immer wieder sehr große Streits bezüglich des Reisethemas gibt, habe ich jetzt den Vorschlag gemacht, dass er einfach immer eine Hälfte der jeweiligen Schulferien machen kann was er möchte ( wir haben zwei Teenager Kinder und sind auf die Ferien angewiesen), und die andere Hälfte der Schulferien darf ich sagen, was ich mir wünsche. Nun fühle ich mich aber in dieser Situation wieder irgendwie so verloren und unglücklich und verstehe mich selbst gar nicht damit. Im Moment als wir das so besprochen haben, habe ich eine große Erleichterung gefühlt und dachte,m wir hätten die Lösung gefunden. Warum tue ich mich damit so schwer und fühle trotz allem “vernünftigen Dialog” irgendwie doch immer wieder eine sehr große Traurigkeit in mir wenn ich an unsere Beziehung denke und an die gemeinsame Gestaltung der Ferien? Vielleicht habt ihr ja eine Idee. Für mich fühlt sich unsere Beziehung trotz dieser “vernünftigen Lösung” sehr unsicher an und ich fühle mich alleine.
Verena Salmen und Tanja1 KommentarHallo!
Ich merke richtig, wie sehr du dich bemühst, eine gute Lösung für euch zu finden und gleichzeitig, wie viel Schmerz da gerade mitschwingt. Was du beschreibst, finde ich sehr nachvollziehbar, gerade wenn eine “Verlassenheitswunde2 auf ein starkes Autonomiebedürfnis bei deinem Partner trifft. Die „vernünftige Lösung“, die ihr gefunden habt, ist auf der Sachebene wirklich stimmig: fair aufgeteilt; klar geregelt; wenig Konfliktpotenzial. Aber: Dein Gefühl spielt sich auf einer ganz anderen Ebene ab. Deine Traurigkeit hat vermutlich weniger mit der Lösung selbst zu tun, sondern vielleicht auch mit dem, was sie bedeutet: Vielleicht fühlt es sich für dich nicht nach „wir gestalten gemeinsam unser Leben“ an, sondern eher nach „jeder macht seins“. Vielleicht berührt es die alte Angst, nicht wirklich wichtig oder gewählt zu sein. Vielleicht fehlt dir genau das, wonach du dich eigentlich sehnst: Verbundenheit, Gemeinsamkeit, Wir-Gefühl. Das sind natürlich nur Überlegungen, die ich gerade zu deinem Post hatte und muss nicht auf dich zutreffen. Wenn du hier jedoch ein Körnchen Wahrheit spürst, könnte es sein, dass du zuerst Erleichterung gespürt hast (weil der Streit aufhört) und danach Traurigkeit (weil ein tieferes Bedürfnis unerfüllt bleibt). Ein möglicher Impuls für dich: Frag dich einmal ganz ehrlich: Was wünsche ich mir emotional in dieser Situation, jenseits der konkreten Lösung? Zum Beispiel: Mehr gemeinsame Zeit als Familie? Mehr Abstimmung und „Wir“-Gefühl? Mehr Sicherheit und Verbindlichkeit? Und vielleicht auch: Was macht es so schwer für mich, wenn mein Partner seinen eigenen Weg geht? Was wird da in mir berührt? Wichtig ist: Dein Gefühl zeigt dir, dass da noch ein unerfülltes Bedürfnis dahinterliegt. Vielleicht könnte ein nächster Schritt sein, das auch deinem Partner mitzuteilen, nicht als Vorwurf, sondern als Einblick:„Die Lösung ist für mich rational total okay, aber emotional fühle ich mich trotzdem oft allein damit.“
Liebe Grüße
Lea aus dem Team der Stefanie Stahl Akademie ☀2