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  • Hallo ihr lieben,

    Ich arbeite seit vier Jahren intensiv an mir und mache seit zwei Jahren eine Ausbildung zur Individualpsychologischen Beraterin. Nach meinen therapeutischen Sitzungen habe ich gemerkt: Ich brauche noch mehr Tiefe. Die letzten zwei Jahre waren sehr intensiv, und ich bin oft an mir selbst verzweifelt.

    Am Anfang hatte ich Probleme in allen Lebensbereichen – Arbeit, Gemeinschaft, aber am wackeligsten war die Partnerschaft. Auch mein Umgang mit mir selbst, mein Selbstwert, war nicht stabil. Ich habe tief in mir, sogar auf Körperebene, gespürt, dass ich mich nicht gut genug fühle. Und ich musste einiges verkraften.

    Nach zwei Jahren intensiver Arbeit und einem ständigen Hin und Her in meiner Ehe habe ich beschlossen, mich zu trennen. In dieser Zeit habe ich die Bücher von Stefanie Stahl – vor allem „Vom Jein zum Ja“ – fast studiert. Ich habe sehr viele Parallelen zu mir selbst im Bereich Bindungsangst erkannt. Gleichzeitig war bzw. ist mein Mann sehr verlustängstlich – wie es ja oft in solchen Dynamiken vorkommt.

    Ich habe mich auch intensiv mit Hochsensibilität beschäftigt und viele Eigenschaften bei mir wiedergefunden. Früher hatte ich keinen guten Zugang zu meinen Gefühlen, weil ich sehr stark auf andere orientiert war. Grenzen setzen war für mich kaum möglich.

    Seit zwei Jahren hatte ich eine starke Wut in mir. Erst später habe ich verstanden, woher sie kommt. Heute weiß ich, dass es eine Form der Abgrenzung war. Für Menschen, die sehr angepasst sind und ihre eigenen Bedürfnisse lange nicht richtig wahrnehmen, ist es besonders schwer, Grenzen zu setzen.

    Je mehr ich über mich gelernt habe und zu meinen Bedürfnissen gestanden habe, desto mehr habe ich mich von meinem Mann zurückgezogen. Er wollte sich leider nicht weiterentwickeln. In unserer Ehe-Dynamik hat er mich oft als die Schuldige gesehen: ich sei depressiv, ich hätte eine traumatische Kindheit und würde meine alte Familienatmosphäre in unsere Ehe bringen.

    Früher habe ich alles auf mich genommen. Ich habe an mir gezweifelt, meine Wahrnehmung und meine Gefühle infrage gestellt. Ich war wirklich in einer Depression. Das Buch von Stefanie Stahl beschreibt diese Dynamik sehr gut.

    Zuerst dachte ich, ich müsse mich ändern und mehr Nähe zulassen. Aber trotz aller Bemühungen hat es nicht funktioniert, weil so viele Verletzungen in mir waren und mein Vertrauen verloren gegangen ist. Er wurde immer klammernder, und wir haben die Rollen getauscht.

    Seit zwei Jahren passt er sich sehr an mich an, beobachtet meine Mimik und meine Stimmung und versucht alles zu regulieren. Gleichzeitig zeigt er weiterhin kontrollierendes Verhalten – besonders finanziell. Er nutzt Geld als Machtmittel und gibt mir in diesem Bereich wenig Freiheit. Außerdem argumentiert er mit den Kindern und sagt, eine Trennung würde ihnen schaden.

    Ich hatte lange starke Schuldgefühle – heute weiß ich, woher sie kommen. Vor einem Monat habe ich beschlossen, mich endgültig zu trennen. Er hat jedoch noch Hoffnung, hat große Verlustängste, weint viel und hat mich um einen Monat gebeten, um sich emotional zu stabilisieren.

    Ich merke, dass ich ungeduldig werde. Ich möchte die Trennung durchziehen. Gleichzeitig bin ich hier alleine und finanziell auf seine Unterstützung angewiesen.

    Wie kann ich diese Situation so gestalten, dass es für die Kinder – besonders für die sensiblen Kinder – und zumindest einigermaßen auch für ihn und für mich eine gute Lösung wird?

    Vielen herzlichen Dank.

    Liebe Grüsse,

    Melike

    • Liebe Melike,

      das klingt nach einer wirklich herausfordernden Situation. Du scheinst da grade viel abwägen, händeln und aushalten zu müssen. Zu erst einmal sind Trennungen immer mit einem gewissen Schmerz bei allen beteiligten verbunden. Das ist schwer, aber leider nicht vermeidbar. Es ist verständlich, dass du so auf deinen Partner achtest und ihm Zeit für emotionale Stabilität geben möchtest. Gleichzeitig ist es wichtig, dass du dich dabei nicht übergehst. Vielleicht gibt es keinen guten Zeitpunkt für eine Trennung. Letztlich bist du nicht für seine Gefühle verantwortlich, aber für deine und die deiner Kinder schon. Vielleicht geht es weniger darum, es für alle gut zu machen, sondern darum, einen Weg zu finden, der für dich und die Kinder tragfähig, klar und möglichst stabil ist, auch wenn er für andere schmerzhaft bleibt.

      Liebe Grüße

      Annalena aus dem Team der Stefanie Stahl Akademie ☀

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